- traucheck Redaktion
Worte können berühren, Bilder entstehen lassen und einen Moment für immer im Herzen verankern. Genau darin liegt die besondere Gabe von Sabine Wanek, die sich selbst „Redekünstlerin“ nennt. Mit viel Empathie, sprachlicher Feinheit und einem tiefen Gespür für Menschen begleitet sie Paare an einem der bedeutendsten Tage ihres Lebens. Im Interview spricht sie darüber, warum Reden für sie eine Kunst sind, wie ihre erste freie Trauung sie geprägt hat und was es braucht, um eine Zeremonie zu gestalten, die wirklich authentisch ist.
1. Sabine, du nennst dich „Redekünstlerin“. Was bedeutet dieser Begriff für dich persönlich und wie bist du eigentlich zu diesem wunderschönen Beruf gekommen?
Ich nenne mich „Redekünstlerin“ – abgeleitet von Redekunst, also Rhetorik. Und ich habe übrigens auch Rhetorik in Tübingen studiert. Daher dachte ich, passt das ganz gut. Außerdem finde ich, dass der kreative, empathische und immer wieder neue Umgang mit Worten, Gefühlen und Sprache eine Kunst ist. Und es hängt von mir als „Redekünstlerin“ ab, eine feierliche, entspannte und fröhliche Atmosphäre zu kreieren.
2. Erinnerst du dich noch an deine allererste freie Trauung? Was war das für ein Gefühl, zwei Menschen durch diesen Moment zu begleiten?
Ja, ich erinnere mich sehr gut daran. Das war in einem schönen, süßen Pavillon direkt an einem See bei München vor sieben Jahren! Das Paar hat sich so gefreut, dass sie mein erstes Brautpaar waren, das ich getraut habe. Und ich mich natürlich umso mehr.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich extra von meiner Freundin ein paar Sätze auf Polnisch gelernt habe, da ein Teil der Gäste aus Polen kam. Was ganz besonders war: Die beiden ihr Ja-Wort sprechen zu hören. Auf meine Frage, die ich nur für die Braut und den Bräutigam vorbereitet habe. Und nach der Trauung kam die Brautmutter zu mir und meinte mit einem Augenzwinkern: „Sie haben sehr schön geredet. Aber so nett, wie Sie gesagt haben, ist meine Tochter nicht.“ Da musste ich lachen. Das werde ich nicht vergessen.
3. Du sagst, du liebst Worte. Was fasziniert dich so sehr daran, Geschichten in Sprache zu verwandeln?
Worte sind wie Farbe, um ein wundervolles Bild zu malen – oder am besten: einen Kinofilm zu drehen. Also so zu sprechen, dass Bilder im Herzen und im Kopf entstehen. Und das geht nur, wenn ich ein paar Dinge über das Brautpaar weiß. Wenn ich weiß, wie es war, als sie sich zum ersten Mal gesehen haben – oder wie es war, als sie gar nicht gecheckt hat, dass er gerade einen Heiratsantrag im viel zu schwülen Gewächshaus machen wollte. Oder wie beide bei ihrem ersten Date auf dieser Bank am Spielplatz saßen – oben auf diesem einen Hügel – in der orange-grauen Dämmerung. Und wie sie nach Jahren wieder auf genau dieser Bank saßen und er auf einmal das kleine Schächtelchen mit dem Ring rausholt. Das Spannende an meinem Beruf ist, für jedes Paar die genau passenden Worte zu finden. Und das immer wieder neu. Aus dem heraus, was sie mir über sich erzählt haben, und im Spiegel meiner Wahrnehmung und ganz im Klang ihrer Emotionen. Die versuche ich förmlich mitzufühlen, wenn wir sprechen und die Zeremonie vorbereiten. Ich möchte die Menschen, die ich traue, wirklich spüren und verstehen. Ihre Eigenart. Ihren Charakter. Ihre Liebenswürdigkeit. Ihre Schrägheit. Und sehen und erfahren, wer sie wirklich sind. Ganz in echt.
Eines der schönsten Komplimente, das ich nach einer Trauung von einem Fotografen bekommen habe: „Du bist aber schon länger mit dem Paar befreundet, oder?“ Und eine weitere Rückmeldung hat mich fast rot werden lassen: „Bist du Schriftstellerin, oder? Weil deine Sprache ist so anders, irgendwie literarisch.“
4. Du hast Rhetorik studiert und hast auch als Coach gearbeitet – das ist eine ziemlich spannende Mischung. Wie hilft dir das bei deinen Trauungen?
Das hilft mir sehr gut, da ich in den Vorbereitungsgesprächen durch eine sehr offene Haltung und Neugier viel über meine Paare herausfinden kann. Ich habe keinen Standard-Plan, sondern lasse mich in die Geschichten meiner Paare ziehen. Meine Coaching-Fähigkeiten helfen mir meistens unbewusst, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, durch Zuhören und einfach in dem ich voll präsent bin. Gleichzeitig kann so eine Zeremonie und eine Trauung entstehen, die aus dem heraus kommt, was meine Paare mit mir teilen. Wie sie sich zeigen, und vor allen Dingen kommen wir schnell auf das, was wirklich zählt – auf die Themen mit Bedeutung in ihrem Leben. So kann es auch sein, dass sie schwere Themen, Trauer oder auch schwierige Zeiten in der Beziehung mit mir teilen.
Das Vorbereitungsgespräch ist somit für mich auch ein ganz vertrauter Raum, um das „Warum“ dieser Hochzeit nochmals zu reflektieren. Und sie können sich sicher sein, dass ich nur das in die Rede einbaue, das auch für alle Ohren bestimmt ist. Und falls ich mir nicht sicher bin, was in ihren Ohren angemessen ist, dann frage ich direkt nach und stimme mit den beiden ab, was in die Rede rein darf und was nicht.
5. Deine Reden sind emotional, humorvoll und immer auf den Punkt. Wie findest du die richtige Balance?
Für mich gibt es in einer Rede immer verschiedene Phasen. Es gibt die Phasen des leichten Erzählens, der wörtlichen Rede, der vielleicht auch frei und spontan erzählten Geschichte – wie die Braut einfach nicht zum ersten ausgemachten Date erschienen ist, zum Beispiel. Es gibt die Geschichte mit der Trauzeugin, als sie nach Google-Navigation mit dem Auto zum Strand wollten und auf der steilen, steinigen Schotterpiste stecken geblieben sind und ein Abschiedsvideo für ihre Familie aufgenommen haben … Hier spielen Unterhaltung, Erinnerung und Humor eine wichtige Rolle. Und ich sage meinen Paaren auch immer: Wenn ihr eine humorvolle Rede wollt, dann müsst ihr mir witzige Dinge erzählen. Ich werde nicht absichtlich Witze einbauen. Manchmal kann auch meine neue frische Perspektive auf ihr Leben humorvoll sein.
Und dann gibt es natürlich die besonders feierlichen Phasen rund um die Trauung, das Ja-Wort, das Eheversprechen. Hier geht es ja um sehr viel für das Brautpaar und auch für mich. Es geht um ein Versprechen fürs Leben, und das braucht einen würdigen, aufrichtigen und bedeutsamen Rahmen – mit bewusst gewählten Worten und ganz viel Achtsamkeit für diesen kostbaren Moment.
6. Und zum Schluss: Welchen Tipp gibst du Paaren mit, die sich gerade mitten in der Hochzeitsplanung befinden und sich fragen, ob eine freie Trauung das Richtige für sie ist?
Wenn ihr euch einen Start in eure Hochzeit wünscht, der euch und eure Gäste wirklich auf euer Fest einstimmt, abholt, begeistert. Eine Zeremonie und Rede, die nur zu euch und niemandem sonst passt. Wenn ihr euer Leben, eure Gemeinsamkeiten, Abenteuer, Erlebnisse und alles, was euch verbindet – wenn ihr all das feiern möchtet, dann ist eine freie Trauung der richtige Weg in die Ehe für euch beide.
Vielen Dank für das Interview, liebe Sabine!
Fotos: Iryna Mazura