- traucheck Redaktion
Gefühle zeigen, zuhören, berühren – für Sebastian Döring ist genau das der Kern einer guten Traurede. Was mit einer bewegenden Ansprache bei einer Trauerfeier begann, entwickelte sich zu einer Berufung: Menschen mit Worten zu erreichen. Heute begleitet er Paare an einem der wichtigsten Tage ihres Lebens und erzählt ihre Liebesgeschichten so, wie sie wirklich sind – ehrlich, individuell und voller Gefühl. Im Interview spricht Basti darüber, warum Emotionen keine Schwäche sind, wie echtes Zuhören seine Arbeit prägt und weshalb bei einer Trauung immer das Brautpaar im Mittelpunkt steht.
1. Basti, du sagst, du wurdest durch eine Rede inspiriert, selbst Trauredner (Redner) zu werden. Erinnerst du dich noch, was dich damals so tief berührt hat?
Das weiß ich noch ganz genau. Der Anlass der Rede war eine Trauerfeier. Der Redner hat es geschafft, uns Zuhörern in diesen schweren Stunden mit seinen Worten genau das zu geben, was wir gebraucht haben. An die genauen Worte erinnere ich mich zwar nicht mehr. Aber ich weiß noch, dass ich mich verstanden gefühlt habe und dass die Worte uns Trauernden Kraft gegeben haben. Nach der Rede habe ich mir gedacht: „Menschen mit Worten berühren – das will ich auch machen.“ Dieser Wunsch schlummerte dann einige Jahre in mir, ehe ich dann irgendwann entschieden habe, loszulegen – erstmal als Redner für Hochzeiten.
2. Viele denken ja, Männer tun sich mit Emotionen schwer – du scheinst das Gegenteil zu leben. Wie hat sich dein Blick auf Gefühle dadurch verändert?
Als Jugendlicher wurde ich eher als „Softie“ betrachtet. Ich habe das damals selbst als Schwäche angesehen. Kein Wunder, in unserer Gesellschaft ist das bis heute so verankert - auch wenn sich da zum Glück langsam etwas tut. Irgendwann habe ich dann aber verstanden, dass es auch als Mann gut und richtig ist, über Gefühle zu reden und diese zu zeigen. Jetzt bin ich Trauredner - und habe diese vermeintliche Schwäche endgültig zu meiner Stärke gemacht. Man stelle sich vor, ein Trauredner, der nicht über Gefühle sprechen kann…
3. Deine Reden sind sehr individuell – nichts von der Stange. Wie findest du die richtigen Worte für jedes Paar?
Auf den ersten Blick muss ein guter Trauredner vor allem eins können: reden. Doch mindestens genauso wichtig ist eine andere Fähigkeit: wirklich zuhören. Wenn ich mich mit meinen Paaren treffe, versuche ich durch Zuhören und Beobachten den echten Vibe ihrer Beziehung zu verstehen. Das bedeutet: aufmerksam sein und zwischen den Zeilen lesen. Mir ist es sehr wichtig, dass die Paare sich im Gespräch mit mir wohlfühlen. Nur dann können sie wirklich sie selbst sein und ich kann mir ein richtiges Bild von ihrer Liebe machen. Wenn das gegeben ist, ist es nicht mehr schwer, die passenden Worte zu finden.
4. Du sagst: „Ich stehe vorne, aber nicht im Mittelpunkt.“ – Was bedeutet dieser Satz für dich ganz persönlich?
Dass ich immer im Hinterkopf behalte, worum es bei einer Trauung wirklich geht: um das Brautpaar. Dass es IHR großer Tag ist. Für mich als Trauredner ist es eine Ehre dazu beizutragen, dass es einer der schönsten Momente in ihrem Leben wird. Da sind Selbstdarstellung und persönliches Rampenlicht völlig fehl am Platz. Ich möchte vielmehr die beiden Personen strahlen lassen, um die es wirklich an diesem besonderen Tag geht.
5. Wie würdest du deinen Redestil selbst beschreiben – eher humorvoll, emotional oder beides?
Ich stelle an meine Trauungen drei Anforderungen: das Paar muss sich wiedererkennen, die Rede muss unterhalten und die ganze Palette an positiven Emotionen darf willkommen sein.
Auch hier gibt letztendlich das Brautpaar den Ton vor. Nicht jedes Paar legt gleich viel Wert auf Romantik und Emotionen. Einige Paare sind eher etwas nüchtern – und auch das ist völlig okay. Es geht eben um die ECHTE Liebe. Nicht um das, was Hollywood überromantisiert darstellt. Ein gewisses Maß an Emotionalität sollte aber immer vorhanden sein, es ist ja schließlich eine Hochzeit ;-)
6. Und zum Schluss: Wenn du eine Liebesbotschaft an alle Paare da draußen richten könntest – wie würde sie klingen?
Eure Liebe ist einzigartig – also zeigt sie! Genießt die kleinen Momente, feiert eure Geschichte und schafft Erinnerungen, die wirklich zu euch passen. Eine Freie Trauung macht genau das möglich.
Vielen Dank für das Interview, lieber Basti!
Foto 1: © Yasmin Jenske
Foto 2: © Sebastian Weingart