- traucheck Redaktion
Musik ist für Christina Beyer weit mehr als Klang – sie ist Ausdruck, Emotion und Verbindung. Schon früh wusste sie, dass sie Menschen berühren möchte, und folgte diesem inneren Ruf konsequent auf die Bühne. Christina studierte Gesang, Tanz und Schauspiel an der berühmten Stage School in Hamburg und stand viele Jahre als Musicaldarstellerin auf der Bühne. Heute vereint sie Gesang und Sprache als freie Rednerin auf einzigartige Weise und begleitet Menschen in den wichtigsten Momenten ihres Lebens. Im Interview spricht sie über ihren Weg, die Kraft von Musik in Zeremonien und darüber, warum echte Momente keine Generalprobe haben.
1. Christina, Musik begleitet dich, seit du denken kannst – erinnerst du dich an den Moment, in dem dir klar wurde: Das ist mehr als ein Hobby, das ist mein Weg?
Nein, diesen großen Aha-Moment gab es nicht. Ich habe einfach früh gespürt, dass Musik für mich mehr ist als das, was nebenbei im Radio läuft. Das Singen, Tanzen und auf der Bühne stehen hat mich immer träumen lassen und mir riesige Freude bereitet, die ich sonst nirgendwo so intensiv erlebt habe. Ich bin diesem Gefühl einfach gefolgt, und so war ich automatisch auf „meinem Weg“. Musik war für mich etwas, wo ich meine Gefühle spürte, sie verarbeiten und ausdrücken konnte. Schon im Grundschulalter war mir völlig klar, ich möchte von Beruf Sängerin und/oder Schauspielerin werden. Es gab keinen Zweifel. Wer in meine alten Poesiealben oder Freundebücher schaut, kann das heute noch schwarz auf weiß nachlesen ;)
2. Vom Straßenmusizieren über große Musicalbühnen bis hin zu Hochzeiten und Zeremonien: Was hast du aus der Zeit auf der Bühne mitgenommen, das dir heute als freie Rednerin besonders hilft?
Vor allem eine große Portion Professionalität und eine besondere Form von Gelassenheit, die aber nichts mit Routine oder Gleichgültigkeit zu tun hat. Sie entsteht aus dem Umgang mit ganz unterschiedlichen Situationen. Als Straßenmusikerin war ich im direkten Kontakt mit den Menschen. Da gab es keine Distanz, keine Bühne im klassischen Sinn. Ich bekam direktes Feedback und konnte mich nicht hinter einer Rolle oder Maske verstecken. Diese Ehrlichkeit prägt. Auf den großen Musicalbühnen dagegen geht es um absolute Präzision. Jeder Ton muss sitzen, jeder Schritt, jede Position. Man muss im richtigen Moment am richtigen Ort stehen, damit der Scheinwerfer einen trifft. Fehler werden nicht verziehen. Das schult Disziplin, Konzentration und Verantwortung für den Moment.
Was hinzukommt: Über all die Jahre lernte ich unzählige Menschen kennen, sowohl auf als auch hinter der Bühne. Das hilft mir heute, Menschen so zu nehmen, wie sie sind, mich auf sie einzulassen und gemeinsam etwas entstehen zu lassen. Früher war es eine Show, heute ist es eine Zeremonie, aber der Anspruch ist derselbe: etwas Echtes, Berührendes und Besonderes zu gestalten.
3. Du verbindest Gesang und Rede auf eine ganz besondere Weise. Wie erlebst du den Moment, wenn Worte und Musik zusammenkommen und Menschen sichtbar berühren?
Jeder kennt diesen Moment aus Filmen: eine besonders emotionale Szene – ein Kuss, ein Abschied, ein Verlust. Genau im richtigen Augenblick setzt die Musik ein, und plötzlich laufen die Tränen. Nicht, weil die Worte – beziehungsweise auf den Film bezogen – die Szene nicht ausreichen, sondern weil Musik diese einzigartige Kraft hat, Gefühle zu verstärken und sichtbar zu machen. Bestes Beispiel: Was verbindest du mit dem Song „My Heart Will Go On“ von Céline Dion? Richtig – den Untergang der Titanic, das Ertrinken von Jack und das Gefühl einer einzigartigen Liebesgeschichte. Du denkst nicht an die Orchestrierung des Songs oder die wahnsinnig hohen Töne von Céline, sondern der Titel weckt Erinnerungen, Gefühle – und genau darum geht es. Deshalb ist Gesang innerhalb meiner Reden für mich das Salz in der Suppe, die Sahne auf der heißen Schokolade, eine glitzernde Krone obendrauf. Worte können viel erklären, erinnern oder ordnen. Aber durch Gesang öffnet sich eine andere Ebene. Gesang berührt dort, wo Sprache allein oft nicht mehr hinkommt. Ich erlebe es immer wieder: Während ich spreche, hören die Menschen konzentriert zu. Sie lachen, sie fühlen mit, sie weinen vielleicht auch schon. Doch in dem Moment, in dem die Musik einsetzt und ich anfange zu singen, passiert etwas Entscheidendes. Die Anspannung fällt ab. Es gibt kein bewusstes Zuhören mehr, kein Festhalten an Worten, sondern nur noch Fühlen und Spüren. Und dann fließen die Emotionen und Tränen. Für mich ist Musik deshalb ein magisches und zugleich sehr wertvolles Werkzeug innerhalb meiner Zeremonien. Sie macht all das sichtbar, was zwischen den Zeilen steht. Das, wofür es oft keine Worte gibt. Ganz nebenbei ist es natürlich auch noch ein Überraschungseffekt, ein „WOW-Moment“, wenn die Rednerin plötzlich live singt ;)
4. Du sagst, einzigartige Momente haben keine Generalprobe. Was bedeutet dieser Gedanke für deine Vorbereitung auf eine Trauung oder Zeremonie?
Absolut lassen sich einzigartige Momente nicht wiederholen, und genau deshalb brauchen sie eine besondere Form der Vorbereitung. Jeder Mensch, jede Geschichte, jede Liebe, jeder Abschied ist einmalig. Meine Aufgabe ist es, mich in die Menschen hineinzufühlen und ihre Gedanken, ihre Emotionen und ihr Wesen in Worte zu fassen. Dafür ist ein ausführliches, ehrliches Gespräch essenziell.
Ich verabscheue Mustertexte oder vorgefertigte Reden, in denen nur Namen oder Daten ausgetauscht werden. Das hat nichts mit Persönlichkeit oder Individualität zu tun. Eine authentische Rede muss die Sprache der Menschen sprechen, für die sie gedacht ist. Die Rede muss ihren Ton, ihren Rhythmus und ihre Haltung widerspiegeln. Dafür braucht es Einfühlungsvermögen, einen sicheren Umgang mit Worten und Sprache, die richtige Tonalität und wahrscheinlich auch dieses „gewisse Etwas“, das ich nicht beschreiben kann. Es kommt aus dem Herzen. Ist die Rede dann geschrieben, darf sie nicht einfach abgelesen werden. Sie muss frei gesprochen werden. Das bedeutet: Ich probe sie nicht nur, ich fühle sie. Erst wenn die Worte wirklich bei mir angekommen sind, kann ich sie transportieren und sie im entscheidenden Moment lebendig werden lassen.
Es gibt keine zweite Chance, keinen zweiten Versuch, und genau deshalb ist eine gute Vorbereitung so wichtig. Es ist mein Anspruch, den Menschen aus dem Herzen zu sprechen. Präsent, echt und im richtigen Moment.
5. Du begleitest Menschen in sehr emotionalen Lebensmomenten – von Hochzeiten bis Trauerfeiern. Wie schaffst du es, dabei professionell zu bleiben und trotzdem mit ganzem Herzen dabei zu sein?
Diese Frage impliziert, dass Professionalität und Herz sich gegenseitig ausschließen. Für mich ist das Gegenteil der Fall. Es fällt mir überhaupt nicht schwer, beides zu verbinden. Natürlich braucht es Organisationstalent, ein gutes Zeitmanagement, klare Strukturen und eine gewisse Ruhe im Kopf, um all die Situationen und Emotionen richtig einzuordnen. Aber das Entscheidende ist: Ich liebe, was ich tue. Und wenn man mit dem Herzen dabei ist, fühlt sich Professionalität nicht kalt oder distanziert an, sondern selbstverständlich. Ich „knalle“ mir meinen Terminkalender nicht voll. Mir ist wichtig, jedem Menschen und jeder Zeremonie die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient. Meine Auftraggeber sind für mich keine Nummern, sondern Menschen mit Geschichten, mit Gefühlen, mit Momenten, die nur einmal stattfinden. Dafür braucht es Zeit. Und genau diese Zeit nehme ich mir bewusst. Deshalb arbeite ich mit einer klaren, achtsamen Terminierung und nehme nur eine begrenzte Anzahl an Aufträgen an. Ich spüre sehr genau, wann es zu viel wird und ich nicht mehr mit vollem Herzen dabei sein könnte. Und an diesem Punkt verliert diese Arbeit ihre Leichtigkeit und wird anstrengend. Diese Erfahrung kenne ich aus früheren Zeiten: Phasen, in denen ich jeden Tag, jeden Abend, an Wochenenden und teilweise sogar zweimal täglich auf der Bühne stand. Das war harte Arbeit, ein echter Kraftakt. Da geht es irgendwann um Abläufe, nicht mehr um echtes Dabeisein. Genau das möchte ich heute nicht mehr. Heute wähle ich bewusst Qualität statt Quantität. So kann ich professionell bleiben und gleichzeitig mit ganzem Herzen begleiten.
6. Wenn Menschen nach einer Zeremonie an dich zurückdenken: Was sollen sie fühlen oder sagen – was macht eine Zeremonie „typisch Christina“?
Schön ist es zu hören, wenn ich die Erwartungen übertreffe. Wenn jemand nach der Zeremonie sagt: „Das war unverwechselbar. So eine Zeremonie habe ich noch nie erlebt. Es war noch viel schöner als vorgestellt.“ Da geht mein Herz auf.
Wenn die Gäste gespürt haben, wie sehr ich meine Arbeit liebe, wie präsent ich war, mit vollem Herzen dabei. Eine „typisch Christina“-Zeremonie ist nahbar, ehrlich und berührend. Ich verbinde Professionalität mit Leichtigkeit. Nichts wirkt gestellt oder einstudiert, und doch ist alles durchdacht wie eine kleine Inszenierung – aber nicht mit gespielten, sondern echten Emotionen. Es darf gelacht und geweint werden, still und laut sein. Genauso, wie es sich für die Menschen und ihren Moment richtig anfühlt und genauso, wie das Leben ist: bunt.
Vielen Dank für das Interview, liebe Christina!