Die perfekte Traurede: Tipps von Traurednerin Conni Köpp

Conni Köpp im InterviewLiebe Conni, wie genau kamst Du zu dem Beruf Traurednerin?

Ein Schlüsselerlebnis 2008 muss unbewusst die Saat gestreut haben. Ich hatte eine Traurednerin auf einer Hochzeit einer Freundin gehört und war komplett gefesselt. Ich bin zu ihr hin und sagte nur: „Du hast den ganzen Saal beseelt - was hast du nur für einen Traumberuf!“ Ich steckte jedoch selbst gerade in den Kinderschuhen meines Unternehmens (Wohnkosmetik) und schenkte dem dann keine weitere Beachtung. - 2015 war mein Schicksalsjahr, in dem es für mich hieß: auf zu neuen Ufern!

Eigene Buchlesungen machten irgendwann deutlich, wofür ich brenne: lesen, schreiben, vortragen, verführen, berühren, unterhalten. Und ich erinnerte mich wieder an 2008! Ich sprach mit Weddingplanern, erkannte den Boom auf dem Hochzeitsmarkt und saß schließlich vor meinem allerersten Paar. Nach meiner Premieren-Trauung auf der Elbe war ich infiziert!

 

Wie finden dich zukünftige Ehepaare?

 

Empfehlungen, Mund- zu – Mund, Marketing, Presse, Netzwerkveranstaltungen, Messen, über meine Bücher oder Beiträge auf social media-Kanälen sowie über großartige Vernetzungen mit großartigen Kollegen.

Jeder Redner hat seine eigene Ausstrahlung, seine eigene Sprache und eigenes Konzept, wodurch er seine eigenen Paare anzieht. Niemand sollte Angst vor Konkurenz haben, denn jeder ist einzigartig!

Viele Trauredner müssen Anfragen aufgrund Ihrer Verfügbarkeit absagen – du kannst deinen Pärchen allerdings noch eine weitere Möglichkeit bieten – erkläre doch unseren Lesern diese?

Nachdem ich 2017 tollen Paaren absagen und sie weiterschicken musste, kam mir der Gedanke, Freundinnen ins Boot zu holen, von denen ich wusste, sie bringen das richtige Werkzeug mit, um die Reden, die ich weiterhin schreiben würde, vorzutragen! Ich habe heute 3 Sprecherinnen, 3 tolle Charaktertypen, und wenn meine Paare zu uns als Team JA sagen, sind alle happy!

Conni Köpp

Wie sieht der Ablauf von der Kontaktaufnahme eines Pärchens bis zur vorgetragenen Rede bei dir aus? 

Am Anfang steht das.... Käffchen! Ich stelle mich und meine Arbeit vor, und das Paar mir ihre Vorstellungen. Von ihrer Geschichte möchte ich noch gar nichts wissen. Es geht jetzt nur um dieses erste Bauchgefühl, denn so dicht sitzen wir dann auch am Trautisch zusammen. Ich will nur, dass es sich zweifelsfrei schön und richtig anfühlt! Manche Entscheidungen fallen sofort, manche Paare brauchen den Vergleich – alles ist richtig! Es geht um Vertrauen, um Empathie und Zuverlässigkeit – ganz schön viele Werte unter Fremden, die nach einer Zusage schnell zu Vertrauten werden.

Ein 2. Treffen gibt es kurz vor der Zeremonie, um genau den Ablauf durchzusprechen, um die Vorfreude und Aufregung noch mal zu spüren und miteinander dieses Glück zu teilen. Bis dahin bin ich 24/7 für meine Turteltauben erreichbar. Sie können mich nicht nerven, sollen mich gern teilhaben lassen und mich Löcher in den Bauch fragen. Ich bin auf allen Kanälen für sie ansprechbar, ein schöner Teil meiner Arbeit, eben ein Teil von ihnen zu sein!

Ich quäle meine Paare etwas, weil sie komplett voneinander alle Fragen schriftlich beantworten müssen. Das hat viele Gründe, die ich ihnen zuvor genau erkläre und sie begeistert. Und sie werden Geheimnisse voreinander haben, aber auch das ist mein Konzept, das sich am Ende immer ausgezahlt hat. Ich lasse auch eine Vertrauensperson die Rede absegnen, die dann „grünes Licht“ geben darf! Freunde und Familie binde ich auch mit ihren Anekdoten ein, die sie bei mir allerdings nicht persönlich vortragen müssen.

Mind. 1 Stunde vor der Trauung bin ich vor Ort, bereite den Trautisch vor, berate mich noch mit Dienstleistern und Crew der Location. Dann geht es los – das kleine „Bühnenstück“ in 2 Akten.

Welches Budget ist mindestens notwendig, um Deine Dienste in Anspruch nehmen zu können?

Für Hamburg liege ich im mittleren Preissegmet: 1200€. Außerhalb der Saison (Okt.-März) kann auch Verhandlungsspielraum drin sein. - Zusätzlich gebe ich rund 3 Paaren im Jahr einen besonderen Rabatt, wenn sie bestimmte (emotionale) Kriterien erfüllen. Ich war nie starr und werde es nie sein. Mit mir kann man reden, und Verträge mache ich per Handschlag, egal, wer mich dafür belächelt. Ich werte andere auch nicht für ihre Verträge mit umfangreichen AGBs etc. - Jeder soll authentisch sein – er selbst. Und ich bleib eben hanseatisch. Meine Paare kriegen mein Wort - im wahrsten Sinne. Sie vertrauen mir – und ich vertraue ihnen. Punkt.

Was war bisher Dein schönstes und einprägsamstes Erlebnis als Traurednerin? 

Ist nicht jede Woche eine neue, schöne Welt? Jede Geschichte ist besonders, und zu jedem Paar, das ich annehme, verbindet mich eine ganz besondere Nähe. Ich war schon Coach nach einer Minitrennung, bin gern Beraterin, Muse und einfach Anlaufstelle für alles Mögiche. Ich habe plötzlichen Platzregen erlebt, Magen-Darm-Grippe am Trautisch, schreiende Kinder auf dem Schoß eines Paares..... am Ende ist das für mich schönste Erlebnis das Honorar in Form von Feedbacks. Schon während der Zeremonie, wenn Tränchen kullern. Vor Freude oder Berührung. - Aber deine Frage wird mein nächstes Buch behandeln, das ich Ende des Jahres für einen großen Verlag schreiben darf!

Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften eines Trauredners?

Unser wichtigstes Werkzeug ist wohl unsere Stimme – neben der Freude am Vortragen, am Schreiben, dem Sprachtalent, der Empathie und Lebendigkeit. Der Redner ist verantwortlich für ein wichtiges Highlight, für das Thema der Hochzeitsfeier. Sollen alle unser Herzblut spüren, mit dem wir unsere Arbeit machen!

Welchen Vorteile hat eine freie Trauung?

Freiheit in der Gestaltung. Freiheit beim Ablauf. Es gibt hier keine Grenzen, keine Schranken, alles ist möglich! Wenn die Kirche nicht frischer und jünger wird, wird sie es immer schwerer haben, Menschen vor ihren Altar zu ziehen. Ich selbst bin zwar getauft, doch heute eher spirituell statt religiös.

Wie sieht der Zukunftsmarkt für Redner aus?

Boom! Bingo! Einziges Mancho: es wirkt so leicht auf Newcomer, warum jede Woche wohl neue Redner aus dem Boden sprießen! Es macht meinen Kollegen und mir keine Angst, das ist in jeder Branche so. Und wer mit Preisen bestechen will, ist schnell vom Markt. Eher müssen wir dafür sorgen, dass Menschen unseren Wert wirklich anerkennen und schätzen lernen! Ich sage meinen Paaren immer: „Ihr bekommt auf alle Fälle günstiger! Vielleicht sogar auch billig! Ich selbst bin nur preiswert – meinen Preis wert! :-)“

Solange die Menschen heiraten, werden freie Zeremonien florieren, denn beim Standesamt allein sowie bei einer Feier ohne Zeremonie springt noch zu wenig Funke über. Es geht doch darum, zwei Menschen und ihre Liebe zu feiern! In spätestens 10 Jahren wird jeder zumindest den Begriff „freie Zeremonie“ kennen!

Lieben Dank Conni für deine Zeit und die tollen Einblicke in deinen Traumberuf Traurednerin!

Steckbrief:

Name: Traurednerin Conni Köpp, Hamburg - Traucheck Profil
Als Traurednerin tätig seit: 2016
Website: www.verliebtereden.de

Foto: Conni Köpp
 

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