Muse, Taschentuch und Freundin auf Zeit

Die liebe Tausendsasserin Conni Köpp hat mit uns über die Veränderungen nach Corona, die neusten Trends und über ihre Energiequellen gesprochen.

Du bist Buchautorin, Loslass-Expertin und Einrichterin, Freie Trau- und Trauerrednerin. Wie bekommst Du alles unter einen Hut?
Ich hatte schon als junge Frau meine Traumziele vor Augen: Mit Räumen und Menschen zu arbeiten, Bücher sowie Liebes- und Lebensgeschichten zu schreiben. Ich wollte nie 8 Stunden auf immer demselben Stuhl in einem Büro sitzen, sondern das, was ich zu bieten habe, frei einteilen. Im Grunde läuft ein roter Faden durch meine Arbeiten: etwas zu bewegen. Manchmal sind es Möbel und Bewohner, dann wieder Brautpaare mit ihren Geschichten oder trauernde Angehörige, die ich durch das Leben eines geliebten Verstorbenen reisen lasse. Ein neues Buch hingegen schreibe ich nur alle 2 Jahre. Im Grunde also alles überschaubar. Und trotzdem arbeite ich an manchen Tagen mehr als 8 Stunden. Dafür treffe ich am nächsten Morgen Freunde zum Frühstück oder Lunch, die ebenfalls „frei“ entscheiden können.  

Corona hatte die Hochzeitsbranche fest im Griff. Was ist nach Corona passiert? Hat sich seitdem etwas verändert?
Ende 2020 musste ich umdenken und tauchte tiefer und aktiver in die Trauerbranche ein. Ich sah, wie sich der Markt verändert, die nächste Generation an Bestattern neue Wege geht: weniger dunkel, schwarz und verstaubt. Endlich steht im Fokus mehr der Blick auf ein Leben. Die Blumen werden bunter, die Musik rockiger und die Abschiede 'festlicher'. Trotz des Schmerzes und Verlusts wird alles heller. - Vor Corona war mein Ziel: 40 Trauungen im Jahr. Nach Corona bin ich davon leider noch entfernt. Nicht, weil jede Woche neue Redner den Markt erobern wollen, sondern weil Hochzeiten derzeit aufgrund der ungewissen Zukunft und anderer Faktoren nicht so präsent sind. Die Menschen widmen sich anderen Themen. Das wird sich wieder ändern, aber bis dahin erkenne ich auch neue Wege.

Was passiert gerade auf dem Markt? Wo geht der Trend hin?
Wer die letzten Jahre einigermaßen stabil gewuppt hat, der hinterfragt Freundschaften und manchmal auch seine Beziehung: 'Brauchen wir ein Standesamt? Wäre nicht eine Zeremonie, ein Hoch auf unsere Beziehung, ebenso schön?' Manche sind drei mal geschieden, sie glauben nicht mehr an die Ehe, doch hätten sie mal Lust auf eine Zeremonie. Ich möchte auch und gerade jene Paare ansprechen, die schon Jahrzehnte auf dem Liebeskonto haben. Ihre Geschichte mit allen Höhen und Tiefen zu erzählen, ist sehr besonders. Sich noch mal gewahr darüber zu werden, was man alles geschafft hat. Da schwingt doch so viel – oft unausgesprochene – Dankbarkeit mit! Ich möchte ihrer Liebe eine Stimme und ganz besondere Worte geben, die ich mit einem Ritual abrunde.  

Conni, du machst ja keine schriftlichen Verträge. Bei Dir gibt es nur Verträge per Handschlag. Wie kam es dazu?
Ich habe von der 1.Trauung an gesagt: „Nur per Handschlag!“ In 11 Jahren wurde ich nie enttäuscht. Weder hat ein Paar nicht gezahlt, noch hat es meinem Wort nicht vertraut. Ich bin da zu sehr Künstlerin, kann ohnehin nicht rechnen. Verträge passen nicht zu mir. Hätte ich Verantwortung für Mitarbeiter zu tragen, sähe die Sache anders aus. Der Handschlag passt zur mir, auch wenn der nicht mal nötig wäre, denn ich halte grundsätzlich mein Wort! Ich sehe auch, wo meine Paare stehen, wenn sie das zunächst irritiert, weil es ja ungewöhnlich ist. Spannend, wenn sie mir von Erfahrungen mit Dienstleistern berichten und sie froh waren, einen Vertrag gehabt zu haben. Okay, dann werden sie mit mir wieder gute Erfahrungen machen! - Während Kollegen in der Pandemie ihre Verträge umschreiben mussten, habe ich gesprochen. Und viele Tränchen trocknen dürfen. Sollte mich ein Paar mal nicht zahlen, erscheine ich auch nicht zur Trauung. Mahnung, gar Gerichtsverfahren? Um Himmels willen! Ich würde mich eher fragen, warum ich Menschen anzog, die ihrerseits ihr Wort NICHT halten. Was hat das nun mit mir zu tun? Für mich ist alles im Leben ein Lernen und Reflektieren. Punkt. Das ist unumstößlich. Das wird sich niemals ändern. Ausnahme: ich schaffe ein kleines Imperium mit zig Mitarbeitern! (lach)

Du strahlst immer so viel positive Energie aus! Woher nimmst Du diese Energie?
Ich habe schon jung eine wichtige Entscheidung getroffen: ein zufriedener Mensch zu sein! Ich schaue genau, welche Leute zu meinem nahen Umfeld gehören, schaue mir ihre Haltung, ihr Verhalten und ihre Werte an. Das kriegen sie nicht mit, aber für mich ist das wichtig. - Ich ziehe natürlich auch viel Kraft aus meiner Arbeit (Berufung). Aus dem, was ich wie tue und auch durch gute Unterhaltungen. Natürlich auch durch meine Kinder und durch meine Freunde – meine besten Spiegel! - Ich kann auch Smalltalk, aber ich brauche danach wieder Tiefe. Möchte lernen, will mich immer weiter entwickeln und mir jeden Tag beweisen, wie schön das Leben ist. Ich habe viele gute 'Lehrer' im Leben gehabt, aber Optimismus, Zuversicht und Glaube sind für mich die besten. Ich mag Menschen, die lächeln, lachen und echt sind. Die anderen nichts neiden und andere eher fördern und wachsen lassen. Meinen Kindern habe ich immer gesagt: „Nur ein freundliches und strahlendes Gesicht ist ein schönes Gesicht.“ Wobei sie natürlich lernen sollen, zwischen echt und aufgesetzt zu unterscheiden. - Ich habe sehr viel Energie, aber nur, weil ich aufbrenne - nicht ausbrenne!  

Was sind die größten Herausforderungen in Deinem Leben und wie gehst Du mit ihnen um?
Jede Herausforderung bringt dich weiter, denn am Ende kriegst du nichts serviert, was du nicht wuppen kannst. Ich liebe das Leben. Probleme sind für mich Projekte oder Lösungen im Entstehen. - Herausfordernd war es damals, als der Papa meiner Jüngsten verstarb, ich mit verheulten Augen vor meinen Paaren saß und ihnen erklärte,..... keine Ahnung, ob mich manche aus Mitgefühl buchten, aber bereut hat es niemals auch nur ein Paar! Ich gebe  alles, und das aus vollem Herzen! - Herausfordernd ist HEUTE die Zeit mit dem Blick aufs Morgen. Auf die Ungewissheit, die Unberechenbarkeit. Und... ob ich meinen Kindern ihre Rucksäcke mit den wichtigsten Werkzeugen fürs Leben gefüllt habe. Zumindest aber habe ich beiden vorgelebt, was es heißt, für seine Träume aufzustehen und für etwas zu kämpfen. 

Was möchtest Du nicht unerwähnt lassen?
Ich möchte dem Nachwuchs sagen, dass sie die Tätigkeit als Freie Traurednerin nicht unterschätzen sollen. Es gehört so viel dazu, gute Leistung zu bringen und tolle Ergebnisse zu erzielen. Stimme, Sprache, Auftreten, Empathie.... um nur einige Punkte zu nennen, die man mitbringen sollte. Manchmal bin ich überrascht, wie viele Kollegen plötzlich das Schreiben gelernt haben. Wie viele ihre Trauungen deshalb günstig anpreisen, weil sie das ja 'nur nebenbei' machen. Das entbehrt für mich jeglicher Logik. - Den Paaren möchte ich sagen, dass sie immer bei sich bleiben sollen und nicht auf die Ratschläge der Eltern hören müssen – es wäre dann nicht IHRE Hochzeit. Ich weiß, dass dazu Mut gehört, sich zu „wehren“ oder „auszubrechen“. Ich würde sie immer stärken. Manchmal ist man eben mehr als Traurednerin. Man ist Muse, Taschentuch und Freundin auf Zeit. DANKE! 

Vielen Dank für das Interview, liebe Conni!

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