Hinter den Kulissen: Traurednerin Constanze Marienfeld im Interview

Constanze im Interview Liebe Constanze, wie genau kamst Du zu dem Beruf Traurednerin?

Im Ursprungsberuf bin ich Schauspielerin und Sängerin. 20 Jahre lang habe ich in Norddeutschland Theater gespielt und in Musicals gesungen. Ich bin ausgebildete Sprecherin, habe Songtexte verfasst, Musicals mitentwickelt und Theaterstücke geschrieben. Ich habe mich also schon sehr lang mit Sprache befasst und Schreiben gehört einfach zu meinem Leben.

Zusätzlich zum Theater habe ich 10 Jahre lang für den NDR, I-TV, Endemol und viele andere TV-Produktionen gearbeitet, dort allerdings hinter der Kamera. Zum einen als SET-Aufnahmeleiterin. Da ist man für die Koordination aller Gewerke zuständig, damit ein glatter Ablauf der Sendung funktionieren kann. Zum anderen als Casterin. Da lernte ich perfekt Interviews zu führen. Damals erfuhr ich das erste Mal vom Beruf Hochzeitsredner oder Trauredner und war sofort gefesselt.

Nach meinen ersten Trauungen war ich völlig begeistert und euphorisch. Es kam mir so vor als hätte ich all diese Dinge nur als Vorbereitung auf meinen neuen Beruf gelernt. Es passte einfach perfekt zusammen. Bis heute bin unendlich dankbar und glücklich. Ich habe etwas gefunden, das mich völlig erfüllt, mich begeistert, mich dankbar zurücklässt und trotzdem extrem fordert.  

Bist Du in einem Unternehmen angestellt oder als Traurednerin selbstständig?

Ich bin Selbstständig. Ich wollte immer schon völlig frei arbeiten. Ich mag es, mir meinen Arbeitsalltag selbst einzuteilen und in meinem Unternehmen alles frei gestalten zu können. Das ist sehr viel Arbeit, aber ich genieße es trotzdem. Obwohl ich manchmal, wie jeder Freiberufler, erschlagen werde von Social-Media, Website, Werbung, Content-Marketing und SEO-K(r)ampf. Nur meine Buchhaltung habe ich komplett abgegeben. Die beste Entscheidung meines Lebens.  

In welchem Fall macht es Sinn, einen Trauredner zu engagieren?

Ich denke, dass eine Freie Trauung z.B. dann Sinn macht, wenn man nicht kirchlich heiraten möchte, aber auf die Zeremonie mit allen Gästen nicht verzichten will oder auch einen ganz speziellen Ort im Kopf hat, den Kirche und Standesamt nicht bespielen können. Vor allem aber dann, wenn es wirklich ganz persönlich werden soll. In meinen Reden geht es nur um das Brautpaar, nicht um allgemeine Themen in der Liebe, sondern um die Liebe dieser beiden. Was verbindet sie, was macht sie aus? Wie empfinden Freunde und Familie diese zwei Lovebirds? Jede Beziehung ist bemerkenswert einzigartig, das versuche ich herauszuarbeiten. Außerdem bemerke ich jedes Mal, was eine Freie Trauung für ein toller Einstieg in den Tag ist. Es wird schon so viel geweint & gelacht. Danach umarmen sich alle, trinken den ersten Sekt und sind unglaublich gelöst. So kann die Party dann starten.

Welches Budget ist mindestens notwendig, um Deine Dienste in Anspruch nehmen zu können?

Ich bin ein Luxusartikel, glaube ich. Ich nehme mir sehr viel Zeit für meine Paare, ich bin immer ansprechbar, immer erreichbar. Ich schaue nie auf die Uhr oder dränge auf Aufbruch. Auch bei meinen Reden will ich IMMER das Beste rausholen. DEN Moment schaffen, den die beiden nie vergessen. Das braucht einfach viel Zeit. Deshalb habe ich mich sehr bewusst für einen Preis entschieden, der es mir ermöglicht mein Bestes zu geben und trotzdem ruhig schlafen zu können. Deshalb nehme ich 1200 Euro pro Auftrag, das ist preisliches Mittelfeld in Hamburg & Schleswig-Holstein.

Im Preis inbegriffen ist neben meinem Zeitaufwand, meiner ganzen Erfahrung und all meinen Kontakten auch mein ganzes Equipment. Eine große weiße Anlage mit richtig Wumms, eine kleine Anlage mit Akkubetrieb (wenn wir ohne Stromanschluss auskommen müssen), Mikrofone, Mischpult, Aufnahmegerät für eine Tonaufnahme der Trauung, 40 Decken, 40 weiße Regenschirme (man weiß ja nie), Tischdeko für den Trautisch, Traustühle für das Brautpaar etc. Da kommt so einiges zusammen!

Freie Trauung

Wie gehst Du vor, wenn Dich ein Paar engagiert? 

Wenn sich die zwei nach unserem ersten Treffen für mich entschieden haben, freue ich mich zuallererst jedes Mal tierisch. Dann bekommen sie von mir eine Bestätigung der gebuchten Trauung und Fragebögen. Auch Familie und Freunde erhalten, wenn gewünscht, Fragebögen, in denen sie mir über das Paar erzählen können. Ich verabrede mit den beiden weitere Treffen, vor allem ein Treffen an dem wir gemeinsam die Location besichtigen, das ist ganz wichtig. Wir stehen eigentlich immer in Kontakt. Persönlich, per Telefon, WhatsApp oder Email. Damit ich über alles informiert bin.

Ich kläre alle Eventualitäten mit der Location, mache ein Skizze des Stuhlaufbaus für die Trauung, notiere wer die Blumenkinder sind, welcher Song wann abgespielt wird etc. damit alles gut dokumentiert ist. Aus diesen Informationen erstelle ich einen Ablaufplan für die Zeremonie, diesen leite ich, neben dem Brautpaar, auch gerne an die Location und Musiker weiter. Damit nichts schief gehen kann und jeder weiß, was wann & wie passiert. Wenn ich durch die vielen langen Gespräche, Notizen und Aufzeichnungen alle meine Informationen gesammelt habe, nach Anekdoten, gemeinsamen Geschichten, Erlebnissen, den Wünschen und Zielen der beiden gefragt habe, tauche ich völlig in die gemeinsame Geschichte der beiden ab und schreibe die Rede für die Zwei. Meist unterbreche ich meinen Schreibprozess durch Anrufe oder Emails an mein Brautpaar, um doch noch mal die eine oder andere Frage zu stellen. Nach 2-3 Tagen ist die Rede fertig und geht in die Korrektur.

Was war bisher Dein schönstes und einprägsamstes Erlebnis als Traurednerin?

Das schönste Erlebnis der letzten 5 Jahre waren die letzten 5 Jahre!
Jede einzelne Trauung!!
Ob in Kolobrzeg am weißen Ostseestrand oder in der Kapelle des Schloss Glücksburg, ob im privaten Garten, auf der Barkasse auf der Elbe oder auf dem Steg am See bei der Mittelaltertrauung, wo eine Schleiereule uns die Ringe brachte. Das Erlebnis welches mich am tiefsten beeindruckte, war aber wohl die Trauung an der ich eine Freundin verheiraten durfte, eine Freundin deren Vater ich einst versprach, immer auf seine Tochter aufzupassen. Noch nie war ich so nervös, noch nie so emotional, noch nie so nah am Wasser gebaut, noch nie so glücklich!

Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften eines Trauredners?

Ha! Alle werden jetzt denken, Einfühlungsvermögen oder Menschenkenntnis, das ist auch wirklich sehr sehr wichtig, aber ich glaube fast noch wichtiger ist Stressresistenz! Man muss sehr gut organisiert sein, man muss für seine Paare kämpfen wie ein Tiger. Man muss sie lieben, auch wenn sie einem um 3.00Uhr nachts verzweifelte Nachrichten schreiben, dass es am Trau-Samstag regnen soll.

Für jedes Paar ist es DIE eine Trauung. DER eine Tag. Deshalb versuche ich jedem Paar das Gefühl zu vermitteln, dass mir die Trauung genauso wichtig ist wie ihnen. Aber natürlich sollte man auch einfach gut schreiben können, ein guter Redner sein, mit Nervosität umgehen können. Spontan und flexibel auf Probleme reagieren können, denn irgendwo hakt es immer. Und man sollte ein lebensfroher Mensch sein, man will die Leute ja schließlich mitreißen und anstecken.

Welche Vorteile hat eine freie Trauung?

Das jeder Wunsch berücksichtigt werden kann. Die Trauung kann überall stattfinden. Das finde ich so toll. Ich habe zum Beispiel dieses Jahr eine Trauung in Basel in einem riesigen Gewächshaus. Es ist fast wie im Dschungel. Alle werden verkleidet sein, auch ich. Als Elfen, Zauberer, Fantasiefiguren. Da freue ich mich schon total drauf. Das ist eben das Schöne. Nichts ist unmöglich. Es kann so witzig, so rührend, so elegant werden wie die zwei sich das wünschen. Mit einer Jazzband auf einem Viermaster, der 12-Jährige Rauhaardackel als Ringhund oder eine Trauung auf dem Dach des neu gebauten Hauses? Alles machbar bei einer Freien Trauung.

Hast Du einen bestimmten Ablauf, den Du unmittelbar vor deiner Rede durchgehst?

Ja! An den Tagen vor der Trauung probe ich die Rede. Mehrfach! Damit ich mich völlig sicher in meinem Text aufhalten kann. An der Trauung selbst bin ich zwei Stunden vorher vor Ort. Ich stelle mich der Location vor, mein Mitarbeiter baut das Equipment auf, ich mache einen Soundcheck, dekoriere den Trautisch, schaue ob der Aufbau der Stühle stimmt. Wenn möglich gehe ich das Brautpaar besuchen und frage wie es so geht und berichte wie es bei mir so läuft.

Eine Stunde vor Beginn starte ich die Hintergrundmusik über meine Anlage, die ich vorher mit dem Brautpaar geklärt habe und begrüße die ankommenden Gäste. Ich spreche mit dem Fotografen, wo er während der Zeremonie stehen möchte, ich spreche mit den meist sehr nervösen Eltern des Brautpaares und lerne die Blumenkinder, Brautjungfern und Trauzeugen kennen.

Ich setze die Gäste, begrüße alle offiziell und vor dem Einlaufen der Braut, gehe ich noch einmal zu ihr, ich frage sie, ob bei ihr alles ok ist und nehme sie fest in den Arm und sage ihr, wie sehr ich mich auf die Trauung freue. Das ist sozusagen mein Ritual. Dann gehe ich zurück, jetzt mindestens genauso aufgeregt wie das Brautpaar, die Musik startet und es folgt der unschlagbare Moment, wenn die Braut zu uns kommt, alle aufstehen, jeder Herzklopfen hat und die Trauung beginnt.

Lieben Dank Constanze für deine Zeit und die tollen Einblicke in deinen Traumberuf Traurednerin!

Steckbrief:

Name: Hochzeitsreden Constanze Marienfeld - Traucheck Profil
Als Traurednerin tätig seit: 2013
Website: https://www.freietrauung-hamburg.de/
 

Bildrechte: Constanze Marienfeld

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